Person steht vor einer Leinwand und spricht zum Publikum.

Wissenschaftskino auf dem Dorf

Marktplatz der Ideen

Für Saxony5 an der Hochschule Zittau/Görlitz ist längst klar, dass jedes Mal, wenn Wissenstransfer zur leeren Worthülse verkommt, irgendwo ein Einhorn stirbt. Sollten Forschung und Wissenschaftsinstitutionen in der Lausitz präsenter gemacht werden, sind Expertenjargon und komplizierte Schachtelsätze fehl am Platz. Daher wird im Teilvorhaben Marktplatz der Ideen stets nach neuen Formaten der Kommunikation gesucht, die vielen Menschen einen Zugang zur Forschung ermöglichen.

Mit der Veranstaltungsreihe „Wissenschaftskino auf dem Dorf“, die in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Dreiländereck durchgeführt wurde, ist zum ersten Mal in der Oberlausitz ein Format ausprobiert worden, bei dem lokale Vereine dazu aufgerufen waren, die Organisation vom „Wissenschaftskino“ zu übernehmen und ihre Ideen miteinzubringen. Für den Rest war der Marktplatz der Ideen verantwortlich. Das Interesse übertraf die Erwartungen und durchdrang die unterschiedlichsten Sparten. Vom Karnevalsverein, über Fußball- und Heimatvereine haben Jung und Alt Bereitschaft für eine Zusammenarbeit mit der Hochschule Zittau/Görlitz gezeigt.

Blick von hinten auf die Leinwand in einem provisorischen Kinozelt mit Zuschauenden.
Wissenschaftskino verbindet und wird belebt durch das Engagement der Menschen vor Ort und an der Hochschule

13 Vereine hatten sich dafür beworben, das Wissenschaftskino bei sich zu beherbergen und konnten in einer Onlineabstimmung Mitte April gewählt werden. Das Ergebnis aus knapp Tausend Stimmen lautete: Die drei Vereine mit den meisten Stimmen konnten bei sich einen wunderbaren Kinoabend der besonderen Art ausrichten! Es wurden Filme gezeigt, die brennende Fragen unserer Gesellschaft aufgreifen, um danach in spannenden Gesprächen mit den Wissenschaftler*innen in den Austausch untereinander zu kommen. Egal ob es um die Nutzung von Atomkraft, die Pflege für ältere Menschen oder den Versuch von Jugendlichen ging, die Welt mit lokalem Engagement zu einem besseren Ort zu machen: die Diskussionsfreude danach mit dem Publikum, Forschenden und Menschen aus der Praxis war groß. Der Erfolg widerspricht der gängigen Erzählung von der Wissenschaftsverdrossenheit im ländlichen Raum, denn die Vereine haben sich aktiv dafür entschieden, den Schritt zu gehen und sich auf ein unbekanntes Format und die Zusammenarbeit mit der Hochschule einzulassen.

Drei Jungen an einem Tisch im Gepräch mit zwei Frauen.
Drei engagierte Miglieder des Jugendclubs in Lückendorf bringen ihre Ideen für die Organisation des Wissenschaftskinos ein. Fot. Saxony5

Der Heimatbund Lückendorf-Oybin entschied sich für die Teilnahme an dem Projekt, da trotz der guten Vernetzung der zahlreichen Vereine in Lückendorf und einer engagierten Dorfgemeinschaft neue und spannende Angebote fehlen, die auch jüngere Menschen mitreißen. Laut Aussage des Heimatbundes ist das Kino zudem: „eine schöne Möglichkeit, alle miteinander zusammenzuführen und mehr Kultur ― jenseits der etablierten Jahresfestivitäten ― und Wissenschaft nach Lückendorf zu holen und darüber in Austausch zu kommen!“

In einem restaurierten Dreiseitenhof im Herzen Seifhennersdorf hat der Traditionshof Bulnheim e.V. seinen Sitz. Mit seinen Arkaden, der großen Linde und einer liebevoll restaurierten Kulturscheune bietet der Ort ein Ambiente, das viele Interessierte anzieht. Dank des etablierten und interessierten Publikums fanden an diesem Abend viele tiefgehende Gespräche statt und die eingeladenen Wissenschaftler*innen konnten in der Diskussion erfahren, dass das Thema Pflege einer breiteren Öffentlichkeit bedarf.

Der LÖBAULEBT e. V. brachte der Löbauer Bevölkerung mit dem Wissenschaftskino ein ersehntes Angebot, da es in Löbau kein Kino gibt und die Löbauer*innen nach Aussage des Vereins „hungrig nach neuen Angeboten und tollen Filmen sind“. Weiterhin soll: „die Gesprächs- und Diskussionskultur wieder im Stadtgeschehen etabliert werden, wozu der Austausch mit Wissenschaftler*innen auch abseits von Hochschulstandorten sehr gut passt.“


Ansprechpersonen:

Kristin Sprechert
Teilvorhabensleiterin Teilvorhaben Marktplatz der Ideen, HSZG
kristin.sprechert@hszg.de

Emilia Socha, M.A.
Mitarbeiterin Teilvorhaben Marktplatz der Ideen, HSZG
emilia.socha@hszg.de

Innovative Hochschule – Eine gemeinsame Initiative von: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Gemeinsame Wissenschaftskonferenz GWK